
Der syrische Staat hat über 500 neue Investitionsmöglichkeiten in seinen Freihandelszonen angekündigt. Mazen Aloush, Direktor für Öffentlichkeitsarbeit der syrischen Generalbehörde für Land- und Seegrenzen, erklärte, dass diese Maßnahmen darauf abzielen, die Wirtschaft des Landes nach den verheerenden Auswirkungen des vergangenen Krieges wiederzubeleben. Die Umstrukturierung der Freihandelszonen erfolgt unter der Aufsicht der zuständigen Behörde und umfasst mehrere strategische Gebiete wie Damaskus, Adra und den internationalen Flughafen Damaskus.
Zusätzlich wird eine neue Freihandelszone in der Provinz Idlib eingerichtet, für die bereits ein Dekret erlassen wurde. Die Arbeiten sollen zeitnah beginnen. Zu den aktivsten Freihandelszonen zählen Adra, Damaskus und der Flughafen Damaskus. In der größten Freihandelszone des Landes, Al-Muslimiyah, haben die Instandhaltungs- und Modernisierungsarbeiten begonnen, wobei bereits die Registrierung für ein Viertel der Investitionsmöglichkeiten eröffnet wurde. Diese Entwicklungen sind Teil eines umfassenderen Plans zur Belebung des wirtschaftlichen Potenzials Syriens.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Die Generalbehörde für Land- und Seegrenzen berichtete von einem regen Handelsverkehr, bei dem seit Dezember mehr als 350.000 Lkw die Landgrenzen überquerten und 850 Frachtschiffe in syrische Häfen anliefen. Die Überwachung dieser Aktivitäten erstreckt sich über wichtige Grenzübergänge zu den Nachbarländern Türkei, Libanon, Irak und Jordanien sowie Seehäfen in Tartus, Latakia und Banyas. Trotz der positiven Entwicklungen bleibt die Situation in Syrien angespannt, und das Geschäftsumfeld gilt als wenig einladend aufgrund von instabilen politischen Gegebenheiten und weitreichender Korruption.
Ein weiteres Element der aktuellen wirtschaftlichen Bestrebungen ist die Teilnahme syrischer Beamter an internationalen Gipfeln. Musan Nahas, ein syrischer Industrieller mit Verbindungen zur Regierung, trat kürzlich beim vierten arabisch-französischen Wirtschaftsgipfel in Paris auf. Seine Anwesenheit erregte in der französischen Öffentlichkeit Aufsehen, insbesondere da Syrien nach wie vor unter Sanktionen der EU leidet. Syrische Aktivisten äußerten vehemente Kritik an dieser Reise, da sie die Hoffnungen auf eine Normalisierung der Handelsbeziehungen zwischen Syrien und anderen Ländern schüren könnte.
Internationale Investitionen und Herausforderungen
Die Wiederaufnahme der bilateralen Handelsbeziehungen mit arabischen Nachbarländern ist in vollem Gange. Die Leiter der Handelskammern von Saudi-Arabien und Syrien haben bereits Abkommen besprochen, während irakische Beamte ähnliche Absichten geäußert haben. Zudem vermeldete die italienische Agentur für Entwicklungszusammenarbeit ein Abkommen mit dem Syrischen Arabischen Roten Halbmond. Doch Experten zeigen sich skeptisch, ob eine umfangreiche internationale Kooperation und Investition in Syrien möglich sind, insbesondere angesichts der anhaltenden westlichen Sanktionen.
Obwohl einige EU-Unternehmen ihre Zurückhaltung aufgelockert haben und indirekt Geschäfte in Syrien führen, ist das Geschäftsumfeld nach wie vor von Unsicherheiten geprägt. Politische Überlegungen, wie die Eindämmung des iranischen Einflusses und die Stabilisierung des Landes, könnten künftige Investitionen von Golfstaaten beeinflussen, besonders wenn westliche Sanktionen gelockert werden.
Während der US-Kongress plant, den „Anti Normalisation Act“ zu verabschieden, der Sanktionen verschärfen könnte, bleibt die internationale Gemeinschaft über die möglichen wirtschaftlichen Entwicklungen in Syrien in Ungewissheit. Dennoch äußerte EU-Außenbeauftragter Josep Borrell das Engagement, Wege zur Verbesserung der Lage in Syrien zu erkunden und die Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen.
Diese Schritte reagieren auf die klaren Bedürfnisse des syrischen Marktes und dessen Potential, doch die Herausforderungen, insbesondere auf internationaler Ebene, sind weiterhin groß.